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Büro
Restaurierung

Technisches Rathaus

Bielefeld

Sanierung des Altbaus und bauliche Erweiterung

Das in den Jahren 1952 bis 1954 nach den Plänen von Hanns Thiele errichtete „Kreishaus“ präsentiert sich städtebaulich mehr als ein Zeichen des Aufbruchs denn als ein Gebäude der Kontinuität. Es zeichnet sich durch seine feingliedrige Maßstäblichkeit und Detaillierung aus und verbindet moderne Fertigungsmethoden mit handwerklicher Detailbearbeitung.
Das Ziel der Kreishauserweiterung war es, die räumlich zerstreuten Ämter in einem Gebäudekomplex zusammenzulegen. Der identitätsstiftende Altbau sollte erhalten bleiben, seine Bausubstanz musste aber grundlegend saniert und erneuert werden. Diese Aufgabe, wertvolle, aber technisch nicht mehr heutigen Kriterien entsprechende Bauten der Moderne in unsere Zeit zu überführen, ist für unsere Zeit exemplarisch.
Die Erweiterung des bestehenden Gebäudes bot die Gelegenheit, die unbefriedigende städtebauliche Situation zu korrigieren. Der Solitär des Bestandsgebäudes wurde zu einer einheitlich gestalteten, komplexen Gebäudefiguration ergänzt, die auf die unterschiedlich angrenzenden Situationen reagiert und sich – im Unterschied zu dem Bestand – in die anliegende Stadt einfügt.
Wir haben daher auf eine direkte Gegenüberstellung von historischem Bestand aus den fünfziger Jahren und dem Neubau verzichtet, um die Fragmentierung der Stadt nicht noch weiter zu forcieren. Vielmehr haben wir die Architektursprache des Altbaus aufgegriffen, interpretiert und weitergeführt.
Obwohl in ihrer Materialität und Architektursprache bewusst einheitlich gestaltet, kann die neue Figur durch die unterschiedlichen Gebäudeflügel und offenen Höfe auch als eine Addition von Einzelgebäuden wahrgenommen werden, welche eine verwandte und doch im Detail unterschiedliche Architektursprache sprechen und sich behutsam in die Stadtstruktur einfügen.
Das sanierte und erweiterte Technische Dienstleistungszentrum wurde zu einem äußerst wirtschaftlichen Bürogebäude. Das fertiggestellte Projekt belegt, dass die stadträumliche, energetische und funktionale Optimierung von wertvollem historischen Bestand der Nachkriegsmoderne nicht nur ohne gestalterische Abstriche möglich ist, sondern dass der Bestand in allen Teilaspekten neue Qualitäten gewinnen kann.
Die neu konzipierten Außenräume reagieren auf die anliegenden Stadträume. Während der Hof an der Falkstraße als ein ruhiger Vorplatz gestaltet wurde, der als ein zusätzlicher öffentlicher Eingang dient und eine behindertengerechte Erschließung des Gesamtkomplexes gewährleistet, ist der Südhof als ein vertiefter, ruhiger Garten konzipiert. Der zum Blockinneren hin orientierte westliche Hof ist als eine erhöhte, begrünte Terrasse gestaltet.
Neu- und Altbau werden durch ein mehrgeschossiges Atrium miteinander verbunden. Die elegante Wendeltreppe des Altbaus wurde dabei zu einer architektonischen Skulptur, die das neue Atrium über alle Geschosse erschließt. Auch hier entsteht durch die Ergänzung und Inszenierung der vorhandenen architektonischen Elemente eine völlig neue Situation, die bisher nicht vorhandene räumliche Qualitäten sowie die architektonische und räumliche Einheit von Alt und Neu erzeugt.
Bei der Sanierung der Innenräume des Altbaus ging es nicht nur darum, optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen, sondern auch darum, möglichst viele architektonisch hochwertige Details des Innenausbaus zu erhalten. Der wichtigste unter den zu erhaltenden Innenräumen ist der aufwendig sanierte zweigeschossige Saal mit Galerie, der für Besprechungen genutzt wird.
Verfahrensart
1. Preis, 2010
Realisierung
BGF
19.500 m²
NF
10.300 m²
BRI
64.600 m³
Grundstücksfläche
3.200 m²
Leistungsphasen
2-9, Generalplanung
Auszeichnungen
Deutscher Natursteinpreis 2015 Bauen im Bestand; 2014 Anerkennung bei „Auszeichnung guter Bauten 2014 des Bundes Deutscher Architekten – Ostwestfalen-Lippe
Objektadresse

August-Bebel-Straße 92
33602 Bielefeld
Deutschland

Auftraggeber
Bielefelder Beteiligungs- und Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH
Projektleitung
Dirk Massute, Günther Schwanz, Torsten Glasenapp
Bauleitung
Christoph Bröke, Peter Omnis, Kerstin Wegener, Marco Kühn, Astrid Kneib
Mitarbeiter Wettbewerb

Torsten Glasenapp, Jens Graul, Jonas Houba, Johannes Lott, Florian Steinbeck, Dirk Massute, Tobias Kahl

Mitarbeiter Planung

Dirk Massute, Andrea Huse, Thomas Emmrich, Torsten Glasenapp

Fachplaner

Statik/Brandschutz: GSE Ingenieurgesllschaft GmbH, Berlin; TGA: Alhäuser & König Ingenieurbüro Berlin; Bauphysik: Müller-BBM, Planegg; Landschaftsplanung: Vogt Landschaft GmbH, Berlin; Fassadenplanung: Kucharzak Fassaden Engineering GbR; Farbkonzept: Friederike Tebbe; Lichtplanung: Studio Dinnebier, Dinnebier Blieske GbR

Fotos
Stefan Müller